The Subtle Art of Not Giving a F*ck

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A Counterintuitive Approach to Living a Good Life: Wie der Titel schon andeutet, will sich Manson mit seinem Buch von den üblichen Lebensratgebern abheben. Denn die betonen in der Regel, was man alles erreichen könnte oder sollte – höher, schneller, weiter (siehe bspw. Game Changers). Die Kehrseite ist aber, dass einem dabei ganz deutlich vor Augen geführt wird, was man bislang nicht geschafft hat. Man hat dies und das eben nicht erreicht, ist nicht außergewöhnlich. Und die üblichen (amerikanischen?) Lebensratgeber zielen alle darauf ab, dass man endlich außergewöhnlich sein und alle Ziele erreichen kann.

Manson zeigt in seinem Buch einen anderen Weg zum persönlichen Erfolg auf. Das Buch ist übrigens auch auf Deutsch verfügbar („Die subtile Kunst des darauf Scheißensbei Amazon anschauen), aber speziell bei diesem Buch dürfe es fast unmöglich sein, den „Geist“ des Buches richtig ins Deutsche zu transportieren. Während „to give a fuck“ im englischen vieldeutig ist und der Autor den Ausdruck entsprechend kreativ einsetzt, wird alleine das in der deutschen Sprache schwierig. Mal schauen, ob es mir gelungen ist.

Das Fazit des Buches in einem (Ab-)Satz

Das Leben ist kurz, deshalb sollte man aktiv wählen, was einem persönlich etwas bedeutet und was nicht – oder wie der Autor es ausdrückt: „There is a subtle art to not giving a fuck. And though the concept may sound ridiculous and I may sound like an asshole, what I’m talking about here is essentially learning how to focus and prioritize your thoughts effectively—how to pick and choose what matters to you and what does not matter to you based on finely honed personal values. This is incredibly difficult. It takes a lifetime of practice and discipline to achieve. And you will regularly fail. But it is perhaps the most worthy struggle one can undertake in one’s life.“

Der Tyrannei des Außergewöhnlichen entsagen

Auch wenn es in unserer, aber wohl insbesondere der amerikanischen, Kultur gerade zu gefördert wird, außergewöhnlich sein zu wollen, ist dies doch im Kern ein unmögliches Unterfangen. Denn wenn jeder außergewöhnlich wäre, wäre schon alleine per Definition niemand mehr außergewöhnlich. Doch durchschnittlich zu sein, so suggerieren zumindest einige Lebensratgeber, scheint das neue Versagen zu sein. Dabei, so Manson, muss man sich bewusst machen, dass wir alle bei ziemlich allem was wir tun, ziemlich durchschnittlich sind. Das ist ganz normal. Will man bei etwas außergewöhnlich sein, muss man unglaublich viel Zeit in diese eine Sache investieren – und wir alle haben nur begrenzt Zeit und Energie. Die wenigen Menschen, die etwas wirklich außergewöhnlich gut können, tun das nicht, weil sie glauben, sie seien von Haus aus außergewöhnlich, sondern im Gegenteil, weil sie davon besessen sind, besser zu werden. Sie fühlen sich also gerade nicht außergewöhnlich, sie wissen, dass sie es nicht sind und arbeiten daran. Auch wenn das Mantra, jeder könne außergewöhnlich sein und großartige Erfolge erzielen, toll klingt, es ist ungesund, weil de facto unerreichbar. Der Schlüssel zur psychischen und physischen Gesundheit ist zu realisieren und zu akzeptieren, dass die eigenen Taten im großen unendlichen Universum gar nicht so viel bedeuten, dass der Großteil des Lebens eher langweilig und nicht berichtenswert ist und dass das völlig okay ist.

Der Weg ist das Ziel

Als ein Grundproblem beschreibt der Autor die Annahme, dass Glück einem Algorithmus folgt: solange man dafür hart arbeitet, bekommt man es (als Belohnung). Und davon lassen sich viele Menschen treiben: Wenn ich X erreiche, bin ich glücklich. Wenn ich wie Y aussehe, bin ich glücklich, etc. Doch dabei ist genau dieser Ansatz das eigentliche Problem, Glück ist keine lösbare Gleichung. Dauerhafte Anstrengung, Rückschläge und Enttäuschungen gehören dazu und sind quasi das Perpetuum Mobile, um dauerhaftes Glück zu erlangen. Und genau dies zu akzeptieren, also dass die Erreichung von Glück kein Endzustand ist, ist die Voraussetzung, um überhaupt glücklich werden zu können. Denn Probleme wird man immer haben, sie werden nur ausgetauscht oder erhalten ein Upgrade. Wahres Glück kann man also nur erreichen, wenn man den Prozess der Problemlösung schätzen lernt. So werden bspw. Menschen, die die Anstrengung des Sports mögen, die besten Sportler (in ihrem Bereich). Dabei geht es laut dem Autor nicht um Willen- oder Durchhaltekraft oder „no pain, no gain“, sondern vielmehr darum, dass die Probleme die wir annehmen, unseren Erfolg bestimmen und uns immer bessere Probleme bringen. Es ist also eine niemals endende Spirale nach oben. Und wenn jemand meint, er könne irgendwann mit dem Erklimmen der Spirale aufhören, hat er den wichtigsten Punkt nicht verstanden: denn gerade das Klettern muss Spaß machen, wenn man glücklich sein will. Oder auf gut deutsch: der Weg ist das Ziel und schätze den Augenblick.

Eigene Ziele und Werte definieren und verfolgen

Damit man seine Energie gezielt einsetzen kann, sollte man sich auch Gedanken darüber machen, was einem wirklich wichtig ist und genau dort investieren(„give a fuck“) oder das eben sein lassen. Deswegen regt der Autor an, sich über seine Grundziele / -werte Gedanken zu machen. Dafür zerlegt er zunächst mal ein paar „typische“ Lebensziele, bspw. „Vergnügen/Freude“ (pleasure). Dazu schreibt er, Vergnügen ist toll, es ist aber Horror, wenn man sein Leben danach ausrichtet, möglichst viel Freude zu haben: „Ask any drug addict how his pursuit of pleasure turned out. Ask an adulterer who shattered her family and lost her children whether pleasure ultimately made her happy. Ask a man who almost ate himself to death how pleasure helped him solve his problems. Pleasure is a false god“. Ähnlich bewertet er das Strebens nach materiellem Glück. Sobald man die grundlegenden physischen Bedürfnisse, wie eine Unterkunft, Essen, etc. befriedigt hat, steigt das Glücksempfinden weder exponentiell oder linear mit mehr Dingen, die man sich leisten kann an, sondern beginnt ab einen gewissen Punkt eher zu stagnieren. Noch dazu sieht er – meines Erachtens nicht ganz unberechtigt – die Gefahr, dass bei Menschen, die ihr Leben an materiellem Gewinn orientieren, andere Werte wie Ehrlichkeit, Gewaltlosigkeit oder Mitgefühl eher in den Hintergrund rücken: „When people measure themselves not by their behavior, but by the status symbols they’re able to collect, then not only are they shallow, but they’re probably assholes as well.“

Als weitere schlechte, ungesunde Werte beschreibt er: Herrschen durch Manipulation oder Gewalt, wahlloser Sex, sich andauernd gut fühlen zu wollen, immer im Mittelpunkt stehen zu wollen, nie allein sein zu wollen, von jedem gemocht zu werden, reich zu sein, um reich zu sein. Als positive, gesunde Werte nennt er: Ehrlichkeit, Innovationswillen, Verwundbarkeit, für sich, seine Meinung einstehen, für andere auf-/einstehen, Selbstrespekt, Neugier, Wohltätigkeit, Menschlichkeit, Kreativität. Dabei zeigt er auf, dass die schlechten Werte von externen Dingen abhängen, während man die guten Werte in sich selbst finden kann. Man kann sich an ihnen jederzeit orientieren und sie aus- bzw. erfüllen. „This, in a nutshell, is what “self-improvement” is really about: prioritizing better values, choosing better things to give a fuck about. Because when you give better fucks, you get better problems. And when you get better problems, you get a better life. Problems may be inevitable, but the meaning of each problem is not. We get to control what our problems mean based on how we choose to think about them, the standard by which we choose to measure them.“

Nein sagen

Wenn man sich mit seinen Zielen und Werten bewusst auseinandergesetzt hat, gilt es, diesen treu zu bleiben und sie zu verfolgen. Dabei sollte man sich einige Dinge bewusst machen: So macht der Autor deutlich (übrigens wie auch Steven Covey in „The 7 Habits of Highly Effective People“), dass man seine Ziele nur erreichen kann, wenn man Dinge ablehnt, die nicht zu den Zielen und Werten passen. Man muss also auch Nein sagen können. Damit hängt unmittelbar zusammen, dass man damit leben können muss, wie diese bewussten Entscheidungen auf andere wirken. Oder wie es der Autor ausdrückt: „Not giving a fuck does not mean being indifferent; it means being comfortable with being different.“ Zum anderen muss man sich eben auch bewusst machen, dass man immer eine Wahl hat und immer Entscheidungen bzw. eine Auswahl trifft – eben auch was die Bewertung von Wahrnehmungen betrifft: „Whether you realize it or not, you are always choosing.“ Und entsprechend ist man für seine Wahl auch verantwortlich.

Verantwortung übernehmen

Die Wurzel der persönlichen Weiterentwicklung ist nach Manson, dass man sich klar macht, dass man für alles im Leben verantwortlich ist – egal wie die äußeren Umstände sind. Wir können zwar nicht immer kontrollieren, was um uns herum oder mit uns geschieht, wir können aber sehr wohl die Interpretation der Ereignisse kontrollieren und ob sowie wie wir reagieren. Und je mehr man diese Verantwortung akzeptiert und aktiv übernimmt, desto mehr Macht hat man über sein eigenes Leben. Die Verantwortung für seine Probleme zu übernehmen ist der erste Schritt zu Lösung.

Interessant ist auch der Diskurs des Autors zum Thema Verantwortung und Schuld – die beiden leicht in einen Topf geworfen werden aber doch ganz unterschiedlich sind. Sein Ansatz ist wie folgt: Schuld ist vergangenheitsgerichtet. Sie resultiert aus Entscheidungen, die bereits getroffen wurden. Verantwortung ist das Ergebnis der Entscheidungen, die man jeden Augenblick trifft. Es ist nicht Ihre Schuld, dass ich mich entschieden habe, diesen Text zu schreiben, aber sie sind dafür verantwortlich, dass sie ihn gerade lesen – oder nicht 😉. Man kann also vielen Dingen oder Menschen die Schuld für das eigene Unglück zuschieben, aber niemand anderes ist dafür verantwortlich, dass man sich unglücklich fühlt. Denn man wählt immer, wie man Dinge bewertet, auf sie reagiert: „You always get to choose the metric by which to measure your experiences.“ In dieser Botschaft des Autors steckt meines Erachtens durchaus ein wahrer Kern, aber das Thema Schuld, Schuldzuschreibungen und Verantwortungsübernahme ist meines Erachtens sehr komplex und dürfte noch weitaus differenzierter ausgearbeitet werden. Das macht der Autor in seinem Buch auch teilweise (z.B. im Hinblick auf Schicksalsschläge). Daher am besten selbst lesen 😉, kann aber hier bei weitem nicht ausgeführt werden.

Aus Fehlern lernen

Manson betont, und da kann ich ihm zu 100% beipflichten, dass gerade Fehlschläge dazu beitragen, erfolgreich zu werden, sofern man zu seinen Fehlern steht und aus diesen lernt. Eine wirkliche persönliche Weiterentwicklung nur möglich, wenn man sich  auch eine eigenen negativen Eigenschaften oder Charakterzüge eingestehen kann und daran aktiv arbeitet.

Gesamtbewertung

Gesamtbewertung: 3 von 5 Sternen. Insgesamt ein durchaus witziges und interessantes Buch. Der Witz des Buches liegt dabei oft in den Metaphern sowie der Verknüpfung von Lebensweisheiten mit teilweise durchaus vulgär anmutender Sprache. Aber gerade letztere wirkt an manchen Stellen eher zwanghaft eingestreut, damit mal wieder das „F-Wort“ fällt. Im Mantel dieses Wortes bringt der Autor seine zwar nicht unbedingt neuen, aber eben modern aufbereiteten Inhalte dem Leser näher – alter Wein in neuen Schläuchen. Aber ein guter Wein für meinen Geschmack! Und wie es bei einem guten Schluck Wein sein muss, er regt zu tiefsinnigerem Denken an und man lächelt beim Genuss. Und auch wenn die Inhaltsdichte in der zweiten Hälfte des Buches merklich nachlässt und man die blanken Weisheiten des Buches in einigen Sätzen zusammenfassen könnte, kann man es durchaus genießen, da es erfrischend anders ist.

Wem das Buch gefällt, dem empfehle ich auch „Atomic Habits“ oder „The 7 Habits of Highly Effective People. Powerful lessons in personal change„.

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