Führung, Generation Z
Generation Z bei der Polizei Oberösterreich — Bericht aus Linz


Bericht aus dem Magazin INSIDE 04/24 der Landespolizeidirektion Oberösterreich, mit freundlicher Genehmigung der LPD OÖ. Originalautorin: Ulrike Handlbauer.
Am 21. November 2024 fand im Linzer Energietower die zweite Enquete der LPD-Führungskräfte statt. Landespolizeidirektor Andreas Pilsl und seine Stellvertreter Günther Humer und Rudolf Keplinger hatten geladen. Über 250 Kommandantinnen und Kommandanten kamen — von Polizeiinspektionen, Bezirks- und Stadtpolizeikommanden, aus Abteilungs- und Bürofachbereichen.
Worum es ging
Thema des Tages: die Generation Z. Was sie von Arbeit erwartet, was Polizei als Organisation daraus machen kann, wie Führung sie gewinnt und bindet. Ich durfte den Hauptvortrag halten.
Generation Z — Zukunft oder Zero Bock?
Eine Generation, die alles hinterfragt, gilt schnell als arbeitsscheu. Mein Befund nach Jahren in Forschung und Praxis: das Klischee ist falsch. Die Generation Z fordert genau das ein, was viele andere gerne auch gehabt hätten — Erklärung statt Anordnung, Sinn statt Hierarchie, psychologische Sicherheit statt Härte.
Die Verunsicherung in Führungskreisen ist nachvollziehbar. Smartphones haben direkte Kommunikation reduziert. Überbehütung im Elternhaus hat Konfliktfähigkeit und Selbstständigkeit nicht gerade gestärkt. Beides muss in der Organisation nachgeholt werden.
Mensch in den Mittelpunkt
Wer junge Mitarbeitende gewinnen und binden will, muss Zeit für sie haben. Anstelle der Arbeit muss der Mensch in den Mittelpunkt rücken. Das ist nicht nur Nice-to-have. Das ist die Bedingung, unter der Personalgewinnung in den nächsten Jahren funktioniert.
Damit Führungskräfte das leisten können, brauchen sie ihrerseits Zeit zur Verfügung gestellt. Eine Organisation kann nicht gleichzeitig fordern, dass Führung “den Menschen sieht”, und ihr keinen Spielraum lassen, das auch zu tun.
Ganzheitlichkeit — nicht nur jung
Ein Punkt, der mir wichtig war: Generation Z nicht gegen die anderen ausspielen. Wer langjährige Mitarbeitende weniger wertschätzt, weil er sich auf die Jungen konzentriert, verliert beides. Ganzheitliche Personalarbeit heißt: Onboarding ernst nehmen, ohne die Erfahrenen aus dem Blick zu verlieren.
Die Polizei stellt einen Anker der Demokratie dar. Damit sie das bleibt, muss sie als Arbeitgeber attraktiv sein. Für die Jungen und für die, die schon lange da sind.
Chancen-Anstoßer Generation Z
Die Hinterfragenden in der Generation Z können den Change anstochern, der ohnehin notwendig wäre. Drei Beispiele, die ich in den Saal geworfen habe:
- Sind Direktanstellungen möglich, ohne dass alle die volle Polizeiausbildung absolvieren?
- Brauchen IT-Ermittler oder Spurensicherer zwingend dieselbe Generalausbildung wie Streifenpolizisten?
- Sind Zeitkarrieren denkbar, statt Karriere als Einbahnstraße?
- Lässt der Schichtdienst Verbesserungen zu, ohne dass alles gleich auf den Kopf gestellt wird?
Fragen, die Berechtigung haben. Antworten gibt es im Dialog. Und Dialog braucht Zeit.
Buchtipps am Schluss
Zwei Lesetipps an die Anwesenden mitgegeben:
- Die Mañana-Kompetenz — Wer Pause macht, hat mehr vom Leben von Gunter Frank und Maja Storch. Mein wichtigster Einzeltipp gegen die Hetze.
- Die vulnerable Gesellschaft von Frauke Rostalski. Für alle, die die Gegenwart verstehen wollen, ohne zu polemisieren.
Dank
Vielen lieben Dank, Landespolizeidirektor Andreas Pilsl, BA MA und Stellvertreter Generalmajor Günther Humer, BA MA für die Einladung, die unvergessliche Kulisse und die Erlaubnis, den Beitrag aus dem INSIDE-Magazin hier zu teilen.
→ Den Originalbeitrag als PDF: INSIDE 04/24 — Bericht zur Enquete
→ Weitere Beiträge, Werkzeuge und Vorträge zum Thema auf der Themenseite Positive Leadership in der Polizei.
Quelle des Berichts: INSIDE 04/24, Magazin der Landespolizeidirektion Oberösterreich. Autorin: Ulrike Handlbauer. Fotos: Michael Dietrich.