Führung, PERMA-Lead
„Es gibt nichts Schlimmeres als eine toxische Führungskraft"
Ein Symposium-Gespräch in der Deutschen Polizei 06/2026, geführt von Michael Zielasko mit Carsten Rose (Direktor der Polizeiakademie Niedersachsen) und mir. Vier Seiten zum Thema Führung und Demokratie — über toxische Vorgesetzte, Fehlerkultur, Generationenwechsel und den tiefsten Sinn der Polizei.
Worum es geht
Im September des Vorjahres gab es ein Symposium zu Führung und Demokratie. In der Maiausgabe hatten zwei Polizeispitzen das Thema aufgegriffen — jetzt schließt sich der Austausch mit Carsten Rose und mir an. Es geht um die Frage, wann Führung stark genug ist, um die Demokratie stark zu halten. Und um die nüchterne Beobachtung, dass diese Frage in der Polizei heute drängender ist als vor zehn Jahren.
Kernpunkte aus dem Gespräch
Führung braucht Dialog — sonst trägt sie die Demokratie nicht. Wenn Führung keinen Widerspruch aushält, wird sie für eine Demokratie zur Gefahr. Gerade im Einsatz brauche ich couragierte Mitarbeitende, die mich hinterfragen — darauf zu hören, ist immer besser, als den Einsatz schiefgehen zu lassen.
Sinnvermittlung ist Pflicht, nicht Kür. Auf die Frage „Was ist der Sinn der Polizei?” höre ich oft: „Wir gewährleisten Sicherheit.” Aber: was ist dann der Unterschied zwischen uns und den Polizeien in Nordkorea oder Russland? Wir sind ein Anker der Demokratie. Das ist unser tiefster Sinn. Sicherheit ja — aber transparent, nachvollziehbar, rechtfertigungsfähig.
Fehlerkultur braucht Feedback in alle Richtungen. Carsten Rose bringt es auf den Punkt: Es muss möglich sein, einer Führungskraft zu spiegeln, was einem nicht gefällt. Vorgesetzteneinschätzungen sind ein funktionierendes Instrument — nicht um abzurechnen, sondern damit sich nichts verhärtet. Und Untersuchungen zeigen: Die Wahrscheinlichkeit, Führungsleistung von Zwischenvorgesetzten von oben richtig einzuschätzen, ist häufig schlicht falsch. Das Feedback von unten ist unverzichtbar.
Die neue Generation nervt — bis man verstanden hat, was sie eigentlich fordert. Zu Beginn meiner Vorträge sammle ich die Generationenvorurteile ein. Am Ende merken die Zuhörenden: Die fordern Dinge ein, die wir vielleicht auch gerne gehabt hätten — Erklärung statt Anordnung, Sinn statt Hierarchie, psychologische Sicherheit statt Härte.
Toxische Führungskräfte schaden mehr als gar keine. Eine zentrale Aussage aus dem Gespräch — und der Grund für die Überschrift: Es gibt nichts Schlimmeres als eine toxische Führungskraft. Wenn Feedback zeigt, dass jemand in einer Führungsrolle Schaden anrichtet, kann es ein Akt der Fürsorge sein, die Person von dieser Last zu befreien. Gut für die Person selbst. Und gut für die Menschen in ihrer Verantwortung.
Carsten Rose über die Polizei in zehn Jahren
„Heute war ich bei unserer Vereidigung der jungen Bachelor-Studierenden: 47 Prozent Frauen, über 100 Menschen mit Migrationsgeschichte aus 35 verschiedenen Staaten. Diese Diversität stärkt unsere Organisation, weil sie für mich als männlich-deutsch-Vollzeit-Führungskraft neue, frische Perspektiven bringt.”
Warum dieser Beitrag
Das Gespräch ist eines der ehrlichsten Stücke zum Thema Führung, das ich in den letzten Monaten geführt habe. Carsten Rose und ich kommen aus unterschiedlichen Funktionen, aber wir landen an den gleichen Stellen: Führung muss erklärt, reflektiert, hinterfragt werden können — und sie ist immer auch ein Gestaltungsauftrag.
Das vollständige Interview als PDF unten.